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Antikes syrisches Bauwerk inmitten der Unruhen

Eine mittelalterliche Ritterburg wie aus einem Mantel und Degen-Film, nur mit dem Unterschied, dass diese Burg nicht irgendwo in Europa steht, sondern in Syrien. Diese Kreuzritterburg mit dem Namen „Krak des Chevaliers“ gehört seit 2006 zum Unesco-Weltkulturerbe und scheint nun vom Bürgerkrieg bedroht zu sein.

Angst um die Kreuzfahrerburg macht sich breit

Nachdem am 2.Mai letzten Jahres bereits Berichte des syrischen «Antiquities and Museum Department» mit Sitz in Damaskus aufhorchen ­liessen, in denen von Zerstörungen, Vertreibung des Personals und Panzern in der Burg die Rede war, gab es nun erneute Schreckensmeldungen. Genau dort, wo die „Krak des Chevaliers“ steht, nämlich ca. 30 Kilometer westlich von Homs, soll es vor einer Woche wieder zu Granatenexplosionen gekommen sein. Anscheinend ist es den Kriegsführenden beider Seiten egal, dass es sich hier um ein unwiederbringliches Unesco-Weltkulturerbe handelt.

Krak

Zweibändige Publikation fördert Neues zutage

Trotz aller Befürchtungen gibt es auch positive Neuigkeiten, denn dank der umfangreichen, zweibändigen Publikation von John Zimmer, Werner Meyer und Letizia Boscardin aus der Schweiz und Luxemburg, gibt es neue Erkenntnisse über diese Burg aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Dieses Werk besteht sowohl aus 240 Seiten, auf denen sorgfältig die Bauuntersuchungen und Sondagen wiedergegeben werden, 135 Seiten, auf denen diese gedeutet werden, wie auch Zeichnungen der Sondagen und 31 Grund- und Aufrissen. Auch wenn es bereits Publikationen über den Krak gibt, so hat das schweizerisch-luxemburgische Team allerdings die ersten professionellen Grabungen durchgeführt, die innerhalb der Burg stattfanden. Genaueres und detailgetreueres Planmaterial, als das von John Zimmer angefertigte, gibt es nicht und falls es tatsächlich grosse Kriegsschäden geben sollte, könnten diese mithilfe dieser Informationen professionell restauriert werden.

Krak bekam den Hospitalorden geschenkt

Die Forschungen des Teams zeigen, dass der Krak vor dem Erdbeben von 1170 einen trapezförmigen Innenhof hatte, der aus einem Ring aus sieben Meter breiten und tonnengewölbten Hallen umgeben war. Der Hospitalorden St. Johann von Jerusalem, der die Burg im Jahre 1142 von Raymond I. geschenkt bekam, errichtete sie nach dem Beben also nach neuen Bauplänen. Werner Meyer ist der Auffassung, dass die Burg teilweise als Krankenstation diente, was auch die zahlreichen Toiletten im nördlichsten Teil erklären würde. Doch die Hospitalritter scheinen noch anderen Aktivitäten nachgegangen zu sein, dies belegen die Funde der Sondagen, Pfeifenköpfe von Haschisch-Pfeifen, Spielsteine und in Stein gravierte Mühlespiele.

Bildquelle: Wikipedia.org